Mo

03

Nov

2014

"Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich die ganze Woche lang Reis gegessen"

Sylvia Steckel (41) bereut den Schritt in die Selbstständigkeit nicht - auch wenn sie ihren kleinen Laden „Wörtersee – Bücher und Geschenke“ nach einem Jahr aufgeben musste.

"Verkehrsberuhigte Straße, kleine Altstadt, wenig Durchgangsverkehr und kaum Laufkundschaft – eigentlich desaströse Bedingungen für einen Buchladen. Als das Ladenlokal im Haus meiner Eltern in Remscheid frei wurde, habe ich trotzdem gedacht: Jetzt oder nie. Dem schlechten Standort stand eine niedrige Miete entgegen. Die Idee: Ausgewählte Bücher und Schwerpunkte. Jeden Monat habe ich das Schaufenster mit Geschenkartikeln und Büchern zu einem anderen Thema dekoriert – Garten, Glück, Backen, Kinder. Mit meinem Grossisten hatte ich ausgehandelt, dass ich mir immer bestimmte Bücher zusammenstelle. Anfangs wurde der Laden sehr gut angenommen, denn ich habe in der Vorweihnachtszeit eröffnet. Zu dieser Zeit zieht es viele Menschen in die idyllische Altstadt. Danach war es streckenweise sehr leer. Mein größtes Problem: Der Laden wurde angenommen, aber zu langsam. Das Startkapital von 20.000 Euro war schnell aufgebraucht und als alleinerziehende Mutter hatte ich nicht genug Geld im Hintergrund. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich mir ein kleines Apartment genommen und die ganze Woche lang Reis gegessen. Aber nach einem Jahr musste ich schnell entscheiden: Ich habe aufgehört, bevor ich Schulden gemacht habe. Ich bereue den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. Es ist ein tolles Gefühl, sich etwas aufzubauen. Es war kein Scheitern auf ganzer Linie, meine Lebensumstände waren mein Scheitern. Außerdem habe ich auch etwas gewonnen: Über die Versicherung, die meinen Laden versichert hat, habe ich meinen Mann kennengelernt."

Sylvia Steckel bei der Eröffnung ihres Ladens. Mit dem bunten Fahrrad hat sie versucht, in der kleinen Altstadt auf sich aufmerksam zu machen. Fotos: privat
Sylvia Steckel bei der Eröffnung ihres Ladens. Mit dem bunten Fahrrad hat sie versucht, in der kleinen Altstadt auf sich aufmerksam zu machen. Fotos: privat

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