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24

Okt

2014

Wer versagt am besten?

Bei FuckUp Nights erzählen Menschen Wildfremden von ihren größten Niederlagen. Das Konzept aus Mexiko hat es mittlerweile in 48 Städte und 18 Länder geschafft. Auch nach Düsseldorf. Die drei bewegendsten Geschichten.

Unter uns: In lockerer Atmosphäre erzählen gescheiterte Unternehmer von ihren größten Niederlagen. Foto: Simon Michaelis
Unter uns: In lockerer Atmosphäre erzählen gescheiterte Unternehmer von ihren größten Niederlagen. Foto: Simon Michaelis

 

Von Laura Engels

 

„Das erste, was man als Start-up haben muss: ein 400 Quadratmeter großes Büro.“ Gelächter. „Das war nicht unser Wunsch, sondern der unseres Investors. Er schlug auch eine „dickbusige Blondine für den Empfangsbereich“ vor. Das käme immer gut an. Wieder Gelächter. Christian Paul Stobbe setzt sich an diesem Abend viel Gelächter aus. Er tut es gerne, freiwillig. Seine Art, von seiner größten Niederlage zu erzählen, trägt maßgeblich dazu bei. Es wird gelacht, als er das Design der ersten Homepage zeigt, es wird gelacht, als er gesteht, dass er in zwei Nächten mit Joomla ein „Quasi-Community-Dingsbums“ aufzog und einen Namen suchte. „In zwei Nächten war das irgendwie nicht sehr klug.“ Rausgekommen ist Trafema für Transfermarkt.

 

Stobbe blickt mittlerweile nüchtern und realistisch auf seine Fehler von damals. Nur deshalb kann er so locker und humorvoll von seinem Scheitern bei der FuckUp Night in Düsseldorf sprechen. Es ist die dritte Veranstaltung dieser Art in Deutschland. Das Coworking Space Garage Bilk hat die Idee hierzulande als erstes aus Mexiko importiert. In 48 Städten und 18 Ländern hat sich das Konzept mittlerweile durchgesetzt. „Fuck up“ heißt, etwas verbocken, vermasseln. Bei diesen Treffen kommen drei oder vier Menschen zu Wort, die schon einmal ein Unternehmen so richtig vor die Wand gefahren haben. Und jeder der möchte, kann zuhören und lernen. Dieses Mal sind über 100 Menschen gekommen – viele junge, einige ältere, Frauen und vor allem Männer. In nur 15 Minuten rauschen sie durch Geburt und Zerbrechen von Stobbes Vision.

 

Eigene TV-Sendung in der 11 Freunde-Bar

 

2006 wollte er mit einem Freund einen Transfermarkt und ein Special Interest Social Network für den Amateurfußball in Deutschland aufbauen. Das war die Zeit, als Facebook gerade so richtig ins Fliegen kam und StudiVZ für einen fast dreistelligen Millionenbetrag verkauft wurde. „Ich mach’ auf Excel-Basis so eine Transferbörse, wie bei den Profis. Können wir das irgendwie ins Internet bringen?“, hatte der Freund gefragt. Stobbe konnte. So flapsig der Düsseldorfer auch von den Anfängen erzählt: Die Idee funktionierte. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie mehr als 10.000 Spieler aus NRW in ihrer Datenbank, einen Soccer-Cup mit etwa 12.000 Teilnehmern und dem Düsseldorfer Oberbürgermeister als Schirmherren aufgezogen, eine eigene TV-Sendung in der 11 Freunde-Bar in Essen auf Center-TV, den deutschen Fußballhersteller Derbystar als Sponsor und Verträge für die Vermarktung der NRW-Liga auf dem Tisch liegen.

 

Mit Abstand kann Christian Paul Stobbe mittlerweile mit Humor über sein Scheitern sprechen. Foto: Simon Michaelis
Mit Abstand kann Christian Paul Stobbe mittlerweile mit Humor über sein Scheitern sprechen. Foto: Simon Michaelis

Dafür musste ein Investor her. Stobbe: „Wir waren total euphorisiert und haben beim ersten auch sofort Ja gesagt.“ Der wohl größte Fehler. Sie gründeten eine GmbH, schlossen einen Gesellschaftervertrag ab. „Dadurch hatten wir ein Gefühl der Sicherheit. Wir haben aber nicht schriftlich fixiert, über welchen Zeitraum die Finanzierung laufen soll.“ Nur drei Monate nach der Gründung der GmbH gab es 2008 die ersten Gespräche mit Interessenten – mit einem großen deutschen Verlagshaus gingen die Verhandlungen bis in die Due-Diligence. Bei einer Bewertung ihres jungen Unternehmens stand ein Betrag von 2,5 bis 4 Millionen Euro im Raum. „Und dann kam die Atombombe“, sagt Stobbe und zeigt auf der Leinwand ein Foto von Lehman Brothers. „So eine kleine unbedeutende Bank in den USA hat eine Pleite hingelegt und deshalb wurde bei uns die Finanzierung eingestellt.“ Das Verlagshaus schickt mit dem Verweis auf eine drohende Finanzkrise eine Absage und der Investor stoppt die Zahlungen. „Wir haben eine saubere Insolvenz hingelegt

– pünktlich zu Weihnachten. Unser

Unternehmen hat kein Jahr bestanden.“

Jetzt lacht keiner mehr.

„Innovationen ohne Risiko - das funktioniert nicht!“

 

Wenn das Scheitern richtig schmerzt, gibt es auch einen Lerneffekt, das hat der österreichische Strategieberater und Buchautor Gerhard Scheucher bei seiner Arbeit immer wieder festgestellt. In den vergangenen Jahren beschäftigte er sich intensiv mit dem Phänomen des Scheiterns in der Arbeitswelt und plädiert für eine „Kultur der zweiten Chance“: „Es ist enorm wichtig, dass alle Gescheiterten die Chance haben, über Fehler zu sprechen und negative Erlebnisse zu reflektieren.“ Dazu sei eine neue Fehlerkultur, insbesondere in Unternehmen, notwendig. „Alle wollen Innovationen, aber ohne Risiko. Das funktioniert nicht!“ Schließlich sei der Erfolg im ersten Anlauf die Ausnahme, wie viele Beispiele zeigten. Sir Thomas Alva Edison probierte fast 9000 Kohlefäden aus, bis er denjenigen fand, der die Glühbirne dauerhaft zum Leuchten brachte. Der Designer, Erfinder und Unternehmer James Dyson erstellte vom ersten beutellosen Staubsauger 5126 Prototypen – allesamt Fehlschläge. Es dauerte 15 Jahre, bis das erste Exemplar marktreif war. „Wir diskutieren immer nur über das Licht und blenden die Schattenseiten aus. Bei genauerem Hinschauen, würden wir feststellen, dass fast alle großen Biografien auf Niederlagen begründet sind“, sagt Scheucher. Diese Menschen seien einfach einmal öfter aufgestanden, als sie hingefallen sind – für ein Kleinkind ein normaler Prozess. „Erst durch das spätere Leben, durch das Bildungssystem und die Gesellschaft werden wir so verformt, dass wir unsere Schwächen nicht mehr zeigen dürfen“, so der 58-Jährige.

 

Bei Bier und Mezcal erkannten fünf junge Freunde in Mexiko City im September vor zwei Jahren, wie befreiend es sein kann, über Misserfolge zu sprechen. Irgendwann fing jeder an, seine geheime Geschichte des Scheiterns zu erzählen. Trotzdem ist die FuckUp Night mehr als eine Schnapsidee. Eine Woche später trafen sich die Freunde, um den Dialog zu wiederholen – diesmal ohne Alkohol. Jeder brachte zehn Freunde mit und die FuckUp Night war geboren. Einmal im Monat kann nun jeder seine persönliche Geschichte in Mexiko-City mit anderen teilen. „Ich glaube, die Idee hat sich so weit verbreitet, weil jeder das Gefühl des Scheiterns in irgendeiner Art und Weise kennt“, sagt Yannick Kwik vom Organisationsteam in Mexiko. Die FuckUp Night würde durch echte Beispiele zeigen, wie Fehler vermieden werden könnten. „Irgendwie lieben die Menschen diese Art von Business-Talk.“

 

"Da stirbt gerade ein Traum"

 

Anna Bidowetz redet immer noch gerne über das Betahaus. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Anu-Cathrin Beck und dem Berliner Betahaus wollte sie in einem der ersten Coworking Spaces in Köln Freiberuflern und Start-ups einen flexiblen Arbeitsraum und ein aktives Netzwerk bieten, in dem man sich gegenseitig unterstützt. Es war ein Herzensprojekt, das Bidowetz loslassen musste, als sie die Türen vom Betahaus Ende April 2013 für immer abschloss. „Es war kein Geschäft, sondern eine Einstellung“, sagt die heute 27-Jährige. An ihre Gedanken in dem Moment, in dem nichts mehr ging, kann sie sich gut erinnern: „Da stirbt gerade ein Traum, eine Idee, wie die Zukunft des Arbeitens aussehen kann. Das war erschütternd.“ Bidowetz ist immer noch von der Idee überzeugt. Schließlich gebe es genug andere Beispiele – wie das „Mutterschiff“ in Berlin. Doch Köln ist nicht Berlin. „Die Leute funktionieren anders, Köln hat zwar auch viele Freiberufler, aber die haben eine andere Mentalität“, sagt Bidowetz. Letztendlich wurde die falsche Immobilie ausgewählt: zu groß, zu hohe Miete. Doch es gab keine Alternativen, Vertragsverhandlungen mit einem anderen Vermieter scheiterten und die Gründerinnen wollten unbedingt eröffnen. Das war im Mai 2011. „Wir haben es unterschätzt, diese hohen Fixkosten jeden Monat reinzuholen“, sagt Bidowetz heute. Und wann gab es erste Anzeichen, dass das nicht klappt? Die junge Frau lacht. „Um ehrlich zu sein, sehr schnell.“ Weil der Finanzgeber überraschend abgesprungen ist, mussten die Betahaus-Gründer vom ersten Tag an improvisieren. Sie reduzierten die Umbaumaßnahme, fanden einen kleinen Darlehensgeber, doch es war klar, dass es keinen Puffer gab. „Wir waren überzeugt, dass es einschlagen wird“.

INFO

Das Phänomen FuckUp Night wird sich in Deutschland schon bald weiter ausbreiten. Die nächste FuckUp Night in Düsseldorf findet am 20. November 2014 wieder im Coworking Space Garage Bilk statt. Laut Benjamin Teeuwsen vom Veranstaltungsteam ist

die Veranstaltungsreihe derzeit auch schon in Berlin, Köln, Hannover, Stuttgart, Karlsruhe und Hamburg in der Planung. Weitere Infos über Fuck Up Nights in der ganzen Welt gibt es auf der Homepage der mexikanischen Gründer unter www.fuckupnights.com.


Immer wieder drehten die Frauen am Geschäftsmodell, sie versuchten neue Finanzmittel zu generieren, hofften, dass die Änderungen im nächsten Monat greifen würden. Doch „relativ spontan“ war die Betahaus Köln GmbH & Co. KG dann nicht mehr liquide. Im Januar 2013 zogen die Geschäftsführer die Notbremse und meldeten Insolvenz an. Das Betahaus startete damals bewusst groß: Etwa 50 Arbeitsplätze auf 520 Quadratmetern, Rezeption und Café, zwei Festangestellte und acht bis zehn Aushilfen auf 400-Euro-Basis. Wenn sie eine zweite Chance bekäme, würde Bidowetz kleiner anfangen, in einer Immobilie, die mitwachsen kann. Doch noch leidet die junge Frau unter der Niederlage. „Wir sind ein finanzielles Risiko eingegangen, das muss ich noch abarbeiten.“ Jetzt lebt sie weiter im Studentenmodus, obwohl sie als Projektmanagerin bei einer Internetagentur angestellt ist. „Der nächste Urlaub ist noch nicht absehbar.“

Auf der Bühne sollen authentische Geschichten erzählt werden, aus denen die Zuhörer lernen können. Foto: Simon Michaelis
Auf der Bühne sollen authentische Geschichten erzählt werden, aus denen die Zuhörer lernen können. Foto: Simon Michaelis

Hinter all der Show, der ungezwungenen Atmosphäre und dem provokativen Namen ist die FuckUp Night ein sensibles Format. Es geht um Existenzen. „Wir brauchen einen geschützten Rahmen, damit auf der Bühne auch wirklich ehrliche und authentische Geschichten erzählt werden“, sagt Business-Coach und Gründungsberater Oliver Wüntsch. Er ist Moderator der FuckUp Night in Düsseldorf. Die Sprecher sollen die Möglichkeit bekommen, ihren Misserfolg zu reflektieren, die Zuhörer sollen aus den Fehlern der anderen lernen oder einfach nur spüren, dass sie nicht alleine sind. Natürlich ist Scheitern immer sehr individuell, trotzdem kennt der Coach die typischen Fehler: „Viele unterschätzen das Thema Neukundengewinnung oder arbeiten zu lange an ihren Konzepten ohne zu überprüfen, was ihre Kunden eigentlich wollen.“ Wieder andere würden sich auf einen großen Kunden

konzentrieren, statt ein

ausgewogenes Kundenportfolio

zu entwickeln.

 

Selbstständig als Student

 

Berthold Barth zählt zweifelsfrei zur letzten Gruppe. Als ihm ein großes Fernsehunternehmen die technische Begleitung eines Projektes anvertraute, bekam der Essener glänzende Augen. Vergessen war der Plan, die Selbstständigkeit als IT-Consultant für kleine und mittelständische Unternehmen neben dem Informatikstudium langsam aufzubauen. Vergessen war der Vorsatz, nur etwa 10 bis 20 Stunden die Woche zu arbeiten und mit Abschluss des Bachelors über die Zukunft zu entscheiden. Das Pilotprojekt lief erfolgreich, das Studium wurde eingestellt, große Büroräume angemietet, die anderen Kunden verprellt und mit halbfertigen Aufträgen hängen gelassen. Barth war damals Anfang 20. Mit 30 kann er nun sagen, dass er überfordert war. Es war zu viel, zu knapp kalkuliert. Übergangsweise hatte der Einzelunternehmer einen Umsatz von 250.000 Euro – übrig geblieben ist davon nichts. „Ich habe mich sehr stark vom Kunden leiten lassen, was die Vertragskonditionen anging“, sagt Barth. Es gab immer wieder Reibereien, das Projekt lief erst ein Jahr später als geplant an, die Lagerräume im Büro erwiesen sich als ungeeignet. Nach Abschluss des Projekts hatte Barth keine anderen Kunden mehr.

 

„Schon vorher war ich nicht mehr in der Lage, am Schreibtisch sinnvolle Arbeiten zu erledigen. Ich hatte keine Energie mehr“, lautet Barths Selbstdiagnose. Damals wollte er die Situation nicht wahr haben. Mit 14 nahm er seinen ersten Rechner auseinander, mit 17 fing er an, aushilfsweise als Administrator zu arbeiten. Es war klar, dass er sich in dieser Richtung selbstständig machen würde. Einen Plan B gab es nicht. Also saß er jeden Tag von 9 bis 23 Uhr im Büro, ohne wirklich etwas zu schaffen. Er schrieb To-do-Listen und weil sie immer länger wurden, fing er gar nicht erst an. Die Techniker wurden per Mail informiert, dass es keine Aufträge mehr gab. Eine Tatsache, die Barth immer noch unangenehm ist.

 

Die ersten zwei Jahre sprach er über seine Erfahrungen in der dritten Person. Mittlerweile steht er zu seinen Fehlern. Einer der größten sei gewesen, keinen Schwerpunkt zu setzen. Statt auch Beschaffung, Installation und Wartung anzubieten, hätte er bei seiner Stärke bleiben sollen, ist Barth überzeugt, der Kommunikation – Verkauf und Beratung. Heute weiß er, dass Priorisieren häufig bedeutet "Nein" zu sagen - auch und gerade zu Dingen, die Spaß versprechen. Er bereut den Schritt in die Selbstständigkeit nicht: „Was ich dadurch erlebt und gelernt habe, kann kein Studium bieten.“ Verloren hat Barth etwa 10.000 Euro, die er selbst angespart hatte. Das Finanzamt wollte letztes Jahr noch einen offenstehenden vierstelligen Betrag. Das war’s eigentlich. Zu verdanken hat er das wohl vor allem seinem Vater. Er befreite ihn damals aus der Lethargie und organisierte seinem Sohn einen Ausbildungsplatz als Mediengestalter samt Unterkunft. Mittlerweile begleitet er als sogenannter Agile-Coach Projektleiter und Teams – als Angestellter.

 

Keine öffentliche Selbsthilfegruppe

 

Wer früher eine Ausbildung machte, konnte damit ein Berufsleben bestehen. „Heute ist das nicht mehr so“, betont Experte Scheucher. Gleiches gelte auch für die Selbstständigkeit. Es gebe Produkte, die gerade noch nachgefragt werden und morgen vom Markt verschwinden. Einfach nur, weil „die Produktzyklen derart kurz geworden sind, dass die Gefahr zu scheitern so groß ist, wie nie“. Letztendlich ist es unmöglich, eine Firma zu gründen, ohne dabei Risiken einzugehen. Und jeder Unternehmer macht Fehler. „Rückschritte in positives Handeln umlenken – ich glaube, das ist der Schlüssel für fortdauernden Erfolg von Unternehmensgründungen“, resümiert Business-Coach Wüntsch. Er ist überzeugt, dass die FuckUp Night inspirieren kann. „Vor allem, wenn sie im persönlichen Rahmen stattfindet. Die FuckUp Night sei schließlich keine öffentliche Selbsthilfegruppe für Existenzgründer.

 

Haben Mut bewiesen (von links): Michael Gärtner, Christian Paul Stobbe und Patrick Wagner (hier mit FuckUP-Organisator Benjamin Teeuwsen) erzählten bei der dritten FuckUP Night in Düsseldorf von ihrem Scheitern. Foto: Blitzbude
Haben Mut bewiesen (von links): Michael Gärtner, Christian Paul Stobbe und Patrick Wagner (hier mit FuckUP-Organisator Benjamin Teeuwsen) erzählten bei der dritten FuckUP Night in Düsseldorf von ihrem Scheitern. Foto: Blitzbude

 

Ein stückweit ist sie es doch. Was Freunde und Familie oft nicht nachvollziehen können, wird hier verstanden. Als Stobbe seinen Vortrag in Düsseldorf beendet, bleibt Zeit für Fragen. „Wie erholt man sich von so einem Schlag?“ Auf jeden Fall nicht von heute auf morgen. Zwar hat Stobbe über sein Netzwerk einen Job bei einer großen Düsseldorfer Werbeagentur bekommen und ist inzwischen Leiter der Unternehmensstrategie, aber bis er selbst über sein Scheitern lachen konnte, dauerte es ein dreiviertel Jahr. Man sollte sich Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, meint er und spricht von einer „aktiven Trauerphase“. Der Job hätte ihm Struktur, Stabilität und Anerkennung gegeben. „Wie gehst Du damit um, dass der Fehler eigentlich nicht bei Dir lag?“ Stobbe schiebt die Schuld nicht allein auf den Investor: „Eine strategische Fehlentscheidung ist auch ein persönlicher Fehler.“ Heute würde er keinen Investor ohne Online-Erfahrung mehr wählen. Er spult eine Reihe von Tipps ab: Wähle Deine Berater sorgfältig. Ein Investor muss zum Start-up passen. Arbeite mit Profis. Mache denselben Fehler nicht zweimal. Er will anderen Gründern Mut zusprechen. Doch auch für ihn selbst ist die FuckUp Night Teil des Heilungsprozesses. „Der Vortrag war eine gute Möglichkeit, mit dem Thema abzuschließen.“ Finanziell hat Stobbe noch etwas an seinem FuckUp zu knabbern: „ein ordentlicher sechsstelliger Betrag“. Aber dafür habe er eine wichtige Erfahrung gemacht. „Manchmal verliert man, manchmal gewinnt man. So ist es einfach.“

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Kommentare: 1
  • #1

    Joachim H. (Freitag, 02 Januar 2015 17:20)

    Ein sehr schön geschriebener Artikel!
    Und auch sehr wichtig, dass solche Gechichten vom "Scheitern" einmal ohne Häme und erhobenen Zeigefinger aufgeschrieben werden (wie man es sonst so gerne in den Medien macht).
    Der Artikel vermittelt für mich unter dem Strich eine positive Botschaft; nämlich die, dass sich Risikobereitschaft im Berufsleben grundsätzlich lohnt und auch erstrebenswert ist, aber gleichzeitig jeder Schritt wohlbedacht sein muss und man auch ggfs. bereit sein muss, die Reißleine zu ziehen.

    Für mich unverständlich, dass sich ein solch gutgeschriebener Artikel nicht in den Mainstreammedien veröffentlichen lässt!